Shanghai

Shanghai ist die größte und eine der finanzstärksten Städte Chinas, und wird unter anderem als ein kosmopolites Zentrum für Kultur und Design betrachtet. Ein Spitzname der Stadt lautet daher auch „Paris des Ostens“. Shanghai wird gern als Wiege der chinesischen Moderne gesehen, und ist in diesem Zusammenhang berühmt für die intellektuellen Gefechte der 1930er und 40er Jahre zwischen sozialistischen Schriftstellern, die für den kritischen Realismus einstanden (Lu Xun, Mao Dun) und romantischeren, ästhetisch orientierten, „bourgeoisen“ Schriftstellern (Shi Zhecun, Shao Xunmei, Ye Lingfeng, Eileen Chang).

Universität

Die Deutsche Fakultät der Shanghai International Studies University ( Früher genannt: Fremdsprachen-Universität Shanghai) wurde 1956 gegründet. Zusammen mit der Deutschen Fakultät der Fremdsprachen-Universität Peking bildet sie die Grundsäulen von Germanistikstudium und Deutschausbildung in China. Die SISU ist die einzige Universität außerhalb Pekings, die die Doktorwürde im Fachgebiet Germanistik verleihen darf.  Zur Zeit arbeiten 7 Professoren und 9 Dozenten in der Fachrichtung Germanistik an der SISU,  von denen viele an deutschen bzw. schweizerischen Hochschulen die Doktorwürde erworben haben. Seit über 20 Jahren sind ständig zwei Lektoren des DAAD dort tätig.

Website der Universität 

Termine

Freitag, 8. Mai 2009, 19.00 Uhr
„Nach Deutschland schauen“: Marcel Beyer trifft Xiao Kaiyu

Marcel Beyer und Xiao Kaiyu haben mehrere Gemeinsamkeiten: Beide leben in Deutschland – der eine in Dresden, der andere in Berlin. Beide sind aus ihrer alten Heimat aufgebrochen: der eine aus der chinesischen Heimat in der Provinz Sichuan nach Peking und Berlin, der andere andere aus der baden-württembergischen Heimat nach Dresden. Beide schreiben unter anderem auch Lyrik und gerade die starke Verwurzelung ihres Schreibens in der Dichtung zeichnet beide Autoren aus.  Und beide schreiben über Deutschland.
Anlässlich der Verleihung des Erich-Fried-Preises an Marcel Beyer 2006 bekannte Laudator Michael Krüger, dass Marcel Beyer ihn mit jedem Text „überrasche”. So zuletzt eben auch mit seinem Roman Kaltenburg.  Auch Xiao Kaiyu überrascht mit chinesischer Lyrik, die neben China eben auch Gefühle in und über Deutschland thematisiert. Die Gedichtsammlung „Im Regen geschrieben“ (dt. Übersetzung von Raffael Keller) ist dafür ein typisches Beispiel.

Zum Auftakt des Programms „Treffen sich sechs“ richtet sich der Blick auf Deutschland.  Beyer bringt deutsche Vergangenheit zur Sprache – in einem Roman wie „Kaltenburg“ genauso, wie im Gedicht, wo sie uns als „Staub“ anweht. Xiao Kaiyus Blick auf Deutschland ist zunächst ein behutsamer, fast schüchterner Außenblick, der sich dann aber, in den „Brandenburger Skizzen“ beispielsweise zu einem Einblick wandelt, mitten hinein in das deutsche Leben.

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Freitag, 15. Mai 2009, 19.00 Uhr
„Der Einfluss des Westens“: Rolf Lappert trifft Sun Ganlu


Rolf Lapperts Liebe zum fernen Westen spiegelte sich bereits wider in seinem 1995 verfassten Roman Die Gesänge der Verlierer, dessen Erfolg den Autor endgültig an das Schreiben fesselte. Sun Ganlu, geboren in der kulturhistorisch westlichsten Stadt Chinas in seinem äußersten Osten, sieht sich kulturell Frankreich verbunden und erlebt eine Spannung, die ihm aus der französischen Literatur heraus gegenübertritt. Damit steht er ganz in der literarischen Tradition Shanghais, dem Ort der literarischen Revolution Chinas. Die Übersetzung von Dumas fils Kameliendame zum Ende Kaiserzeit und der Aufbruch der chinesischen Schriftsteller in eine neue Epoche literarischen Schaffens Anfang des 20.Jahrhunderts wäre ohne den intensiven Blick nach Westen und ohne dessen Einfluss undenkbar. Shanghaier Literatur ist Europa verbunden, wie kaum eine andere regionale Literatur im Reich der Mitte.

Die Begegnung beider Autoren mit „ihrem jeweiligen“ Westen – die angelsächsische Welt bei Rolf Lappert, Europa, insbesondere Frankreich, als Triebkraft für das gern zitierte avantgardistische Schreiben Sun Ganlus (z.B. in der Sammlung Shanghai im Fluss (Shanghai liu shui) ), wird im Mittelpunkt des Autorengesprächs stehen. Auf diese Weise entstehen Einblicke in die „Migrationsfähigkeit“ von Literatur und die kreative Spannung, die sich aus scheinbar fernen Welten für das eigene Schaffen ergeben. Lapperts neuester Roman Nach Hause schwimmen spielt in amerikanisch-irischen Welten und führt den Gast gleichzeitig in die Wahlheimat des Autors, nach Irland am Westrand Europas. Sun Ganlu ist über das eigene Werk hinaus ein anregender Gesprächspartner rund um das Phänomen der Shanghaier Literatur.

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